Kann eine KI technische Zeichnungen lesen?
Teilweise. Den Text auf einer Zeichnung, also Schriftfeld, Bemaßungstexte, Toleranzangaben und Hinweise, kann eine KI lesen und durchsuchbar machen, bei sauberen PDFs gut, bei schlechten Scans schlechter. Die Geometrie zu verstehen, Maße zu prüfen oder eine Zeichnung fachlich zu bewerten, kann sie nicht verlässlich.
In Kürze
- Lesbar ist vor allem der Text auf der Zeichnung.
- PDFs aus dem CAD-System sind deutlich besser als eingescannte Pausen.
- Maßketten, Toleranzketten und Fertigbarkeit beurteilt die KI nicht verlässlich.
- Ob es bei Ihren Zeichnungen reicht, zeigt ein Test mit echten Fragen.
Eine KI kann technische Zeichnungen lesen, aber anders, als viele es sich vorstellen. Sie erfasst den Text auf der Zeichnung, also alles, was im Schriftfeld, in Hinweisen und Bemaßungen geschrieben steht. Die Geometrie im Sinne eines Konstrukteurs versteht sie nicht verlässlich. Für das Suchen und Wiederfinden von Zeichnungen reicht der Text in vielen Fällen trotzdem.
Was steht auf einer Zeichnung als Text?
Mehr als man denkt. Im Schriftfeld stehen Zeichnungsnummer, Benennung, Index, Werkstoff, Allgemeintoleranzen, Maßstab, Datum und Ersteller. Dazu kommen Hinweise wie „Kanten gebrochen 0,5 x 45°“, „Oberfläche verzinkt“, „Härten auf 58 +2 HRC“, Änderungsvermerke und Verweise auf Normen oder andere Zeichnungen. Genau diese Angaben werden im Alltag am häufigsten gesucht.
Wie macht die KI die Zeichnung lesbar?
In zwei Schritten. Zuerst wandelt eine Texterkennung den Inhalt der Zeichnung in durchsuchbaren Text um. Bei PDFs, die direkt aus dem CAD-System erzeugt wurden, ist der Text oft schon enthalten. Bei eingescannten Zeichnungen muss die Texterkennung die Buchstaben im Bild erkennen. Danach kann ein Sprachmodell, also die KI, die Sprache versteht und Antworten formuliert, Fragen zu diesem Text beantworten.
Welche Fragen funktionieren gut?
Fragen, deren Antwort als Text auf der Zeichnung steht. Beispiele:
- „Aus welchem Werkstoff ist die Welle mit der Zeichnungsnummer 4711-020?“
- „Welche Zeichnungen haben den Hinweis auf Gleitschleifen?“
- „Was wurde mit Index D an der Halteplatte geändert?“, sofern der Änderungsvermerk auf der Zeichnung steht.
Die Antwort verweist auf Zeichnung, Index und Blatt, damit man im Original nachsehen kann.
Wo liegen die Grenzen?
Bei allem, was räumliches Verständnis braucht. Eine KI kann nicht verlässlich sagen, ob eine Maßkette aufgeht, ob eine Toleranz mit Ihren Maschinen erreichbar ist oder wie das Teil gespannt werden muss. Auch das Herausrechnen eines nicht direkt bemaßten Abstands aus mehreren Ansichten ist keine Stärke heutiger Sprachmodelle. Wer solche Aussagen aus einer KI übernimmt, ohne sie zu prüfen, geht ein Risiko ein.
Dazu kommt die Bildqualität. Kleine Schrift in dichten Ansichten, überlagerte Linien oder schlechte Scans führen zu Lesefehlern. Ein Zahlendreher in einer Toleranzangabe ist kein Schönheitsfehler. Deshalb gilt: Maße und Toleranzen immer im Originaldokument prüfen.
Wofür lohnt es sich dann?
Vor allem fürs Wiederfinden und Zusammenhänge herstellen. Ein Zeichnungsarchiv mit tausenden Blättern wird über Werkstoff, Benennung, Hinweise und Änderungen durchsuchbar. Zusammen mit Änderungsmitteilungen, Prüfplänen und Mails der Konstruktion lässt sich nachvollziehen, warum eine Zeichnung so ist, wie sie ist. Das spart Wege in die Konstruktion, ersetzt aber nicht deren Urteil.
Was verbessert die Ergebnisse?
Vor allem gute Ausgangsdateien. Zeichnungen, die als PDF direkt aus dem CAD-System kommen, sind fast immer besser lesbar als Scans von Papierpausen. Ein einheitliches Schriftfeld mit festen Feldern hilft ebenfalls. Wenn ältere Zeichnungen nur als Scan vorliegen, lohnt es sich, wichtige Blätter mit ausreichender Auflösung neu zu scannen. Und Hinweise, die nur als handschriftliche Ergänzung auf einem Ausdruck stehen, kennt keine KI, solange sie nicht in die Datei übernommen wurden.
Wie findet man heraus, ob es bei den eigenen Zeichnungen reicht?
Mit einem Test. Wählen Sie eine Stichprobe typischer Zeichnungen, gute und schlechte, und formulieren Sie Fragen, die in Ihrem Betrieb wirklich gestellt werden. Bei der Wissensdatenbank von Goma-IT sind das 20 Erfolgsfragen, die Ihre Abteilungen vorab festlegen und die als Maßstab für die Abnahme dienen. Mehr zu Zeichnungen, Stücklisten und Handbüchern zeigt der Anwendungsfall Technische Dokumentation.
Häufige Fragen
Kann die KI unsere CAD-Dateien direkt lesen?
Native CAD-Dateien und 3D-Modelle werden nicht inhaltlich ausgewertet. Gearbeitet wird mit Zeichnungen als PDF oder Bild und mit dem Text, den sie enthalten.
Erkennt die KI Form- und Lagetoleranzen?
Die Symbole der Form- und Lagetolerierung sind grafische Zeichen, keine Buchstaben. Ob sie zuverlässig erkannt werden, hängt von Darstellung und Qualität ab und muss an Ihren Zeichnungen getestet werden.
Ist das bei alten Handzeichnungen sinnvoll?
Eingeschränkt. Handschrift und vergilbte Scans erkennt die Texterkennung schlechter. Für das Wiederfinden über Zeichnungsnummer und Benennung reicht es oft trotzdem.