Was darf ein Website-Chatbot zu Maßen, Werkstoffen und Belastbarkeit unserer Produkte sagen?
Nur, was in freigegebenen Unterlagen steht, etwa in öffentlichen Datenblättern, und mit Verweis auf diese Quelle. Fragen zur Eignung für einen bestimmten Einsatz, zu Sonderlasten oder zu Abweichungen vom Datenblatt sollte der Chatbot an Ihre Anwendungstechnik weitergeben. Die Grenze legen Sie fest, bevor der Chatbot online geht.
In Kürze
- Der Chatbot antwortet aus Inhalten, die Sie freigeben, nicht aus dem Internet.
- Katalogwerte aus Datenblättern sind unkritischer als Eignungsaussagen.
- Fragen zur konkreten Anwendung gehören zur Anwendungstechnik.
- Er muss als KI gekennzeichnet sein (Art. 50 Abs. 1 AI Act).
Ein Website-Chatbot sollte zu Maßen, Werkstoffen und Belastbarkeit nur das sagen, was in Ihren freigegebenen Unterlagen steht, und dazu die Quelle nennen. Alles, was eine Bewertung für einen konkreten Einsatzfall verlangt, gehört zu Ihren Fachleuten. Wo genau die Grenze liegt, entscheiden Sie vor dem Start und nicht der Chatbot im Gespräch.
Warum ist das bei Industrieprodukten heikler als anderswo?
Weil technische Angaben Folgen haben. Wenn ein Chatbot einem Konstrukteur sagt, ein Lager halte eine bestimmte Last aus, und das stimmt nicht, kann das zu einem Schaden führen. Bei der Frage nach Öffnungszeiten passiert das nicht. Deshalb braucht ein Chatbot für einen Hersteller klarere Regeln als einer für einen Onlineshop.
Welche Fragen kann er gut beantworten?
Fragen, deren Antwort wörtlich in einem öffentlichen Dokument steht. Beispiele aus dem Alltag eines Herstellers von Antriebskomponenten:
- „Welche Wellendurchmesser gibt es bei der Baureihe K?“
- „Aus welchem Werkstoff ist das Gehäuse?“
- „Welche Schutzart hat der Motor laut Datenblatt?“
- „Gibt es eine Montageanleitung zum Download?“
Der Chatbot nennt den Wert und verlinkt das Datenblatt. Der Kunde kann selbst nachsehen und hat die Information schneller als per Mail.
Welche Fragen sollte er weitergeben?
Fragen nach der Eignung für einen bestimmten Einsatz. Typische Beispiele:
- „Hält das Lager bei 120 °C Dauerbetrieb?“, wenn das Datenblatt nur bis 100 °C reicht,
- „Kann ich den Motor in einer Lebensmittelanlage mit Reinigungsmittel X verwenden?“,
- „Reicht die Baugröße für mein Lastprofil?“
Hier braucht es jemanden, der Rückfragen stellt und Verantwortung übernimmt. Der Chatbot kann die Angaben sammeln, die dafür nötig sind, etwa Lastfall, Temperatur, Umgebung und Stückzahl, und die Anfrage vollständig an Ihre Anwendungstechnik geben. Auf Wunsch schlägt er freie Termine aus Ihrem Kalender vor, zum Beispiel Outlook oder Google Kalender.
Wie legt man die Grenze fest?
Am besten mit einer kurzen Liste, die Vertrieb und Anwendungstechnik gemeinsam schreiben:
- Welche Dokumente darf der Chatbot verwenden? Meist öffentliche Datenblätter, Kataloge und Anleitungen.
- Welche Themen gibt er grundsätzlich weiter? Etwa Eignung, Sonderanfertigungen, Preise und Liefertermine.
- Wie lautet der Hinweis, wenn er weitergibt? Freundlich, ohne Ausreden, mit dem nächsten Schritt.
Vor dem Start testen Sie den Chatbot mit echten Fragen aus Ihrem Postfach und sehen, ob er die Grenze einhält.
Was gilt rechtlich?
Seit 2. August 2026 verlangt Art. 50 Abs. 1 der europäischen KI-Verordnung (AI Act), dass Menschen erkennen, wenn sie mit einem KI-System kommunizieren. Ihr Chatbot muss deshalb als KI gekennzeichnet sein. Dazu kommen Datenschutzpflichten für die Eingaben im Chat. Welche Dienste diese Eingaben verarbeiten, legt Goma-IT vor dem Start schriftlich offen; je nach Einrichtung können auch Anbieter außerhalb der EU beteiligt sein. Fragen zur Haftung für Produktangaben klären Sie bitte mit Ihrer Rechtsberatung. Dieser Abschnitt ist ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung.
Was ist mit älteren Datenblättern?
Ein häufiger Fehler: Auf der Website liegen noch Datenblätter von Baureihen, die längst geändert wurden. Ein Chatbot, der daraus zitiert, gibt veraltete Werte weiter. Deshalb gehört vor den Start eine kurze Durchsicht, welche Dokumente aktuell sind. Danach sollte bei jeder Änderung eines Datenblatts klar sein, dass auch die Inhalte des Chatbots aktualisiert werden. Am einfachsten ist das, wenn der Chatbot genau die Dateien verwendet, die auch auf der Website zum Download stehen.
Lohnt sich das?
Wenn regelmäßig ähnliche technische Fragen über die Website kommen, ja. Wenn die meisten Anfragen individuelle Projekte sind, bringt ein gutes Anfrageformular oft mehr. Wie der Chatbot für Industriebetriebe arbeitet, beschreibt die Seite Website-Chatbot.
Häufige Fragen
Wer haftet, wenn der Chatbot einen falschen Wert nennt?
Das ist eine rechtliche Frage, die von Ihren Geschäftsbedingungen und dem Einzelfall abhängt. Klären Sie sie mit Ihrer Rechtsberatung. Technisch lässt sich das Risiko verringern, indem der Chatbot nur aus freigegebenen Datenblättern zitiert und auf die Quelle verweist.
Kann der Chatbot Werte zwischen Einheiten umrechnen?
Sprachmodelle können rechnen, machen dabei aber Fehler. Sicherer ist, wenn der Chatbot den Wert so nennt, wie er im Datenblatt steht, und Umrechnungen dem Kunden oder Ihrem Team überlässt.
Was passiert mit Fragen, die er nicht beantworten darf?
Er sagt das offen und bietet an, die Anfrage mit den nötigen Angaben an Ihr Team weiterzugeben oder einen Termin vorzuschlagen.