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Kann ein Chatbot auf der Karriereseite Fragen von Bewerbern für Schichtarbeit und Lehrstellen beantworten?

Von Lukas Göggel, Goma-IT. Stand:

Ja, wenn die Antworten in freigegebenen Inhalten stehen, etwa zu Schichtmodellen, Lehrberufen, Anfahrt, Ablauf der Bewerbung oder Schnuppertagen. Er kann auch einen Termin für ein Kennenlerngespräch vorschlagen. Bewerber bewerten oder vorsortieren sollte er nicht: Das bleibt bei der Personalabteilung, auch wegen der Vorgaben des AI Act.

In Kürze

  • Bewerber stellen oft dieselben Fragen, gerade zu Schicht und Lehre.
  • Der Chatbot antwortet aus Ihrer Karriereseite und freigegebenen Unterlagen.
  • Er kann Termine für Gespräche oder Schnuppertage vorschlagen.
  • Auswahl und Bewertung von Bewerbern gehören nicht in seine Hände.

Ein Chatbot auf der Karriereseite kann viele Fragen von Bewerbern beantworten, wenn die Antworten in Inhalten stehen, die Sie freigeben. Er kann außerdem Termine für Kennenlerngespräche oder Schnuppertage vorschlagen. Bewerbungen bewerten oder Kandidaten vorsortieren sollte er nicht. Diese Entscheidungen gehören zu Menschen.

Welche Fragen stellen Bewerber in der Produktion?

Andere als im Büro. Wer sich für Schichtarbeit oder eine Lehrstelle interessiert, will meistens ganz praktische Dinge wissen:

  • „Wie sieht das Schichtmodell aus, gibt es Nachtschicht?“
  • „Komme ich mit dem Bus zur Frühschicht?“
  • „Welche Lehrberufe bilden Sie aus, und kann ich vorher schnuppern?“
  • „Brauche ich Vorerfahrung als Maschinenbediener?“
  • „Wie läuft die Bewerbung ab, und wann höre ich etwas?“

Solche Fragen kommen heute per Telefon, Mail oder gar nicht, weil der Interessent am Abend niemanden erreicht und es lieber bleiben lässt.

Was kann der Chatbot darauf antworten?

Alles, was in Ihren freigegebenen Inhalten steht: Karriereseite, Stellenanzeigen, Infoblatt zur Lehre, Beschreibung der Schichtmodelle, Anfahrtsplan. Fehlt etwas, sagt er das offen und gibt die Frage an Ihre Personalabteilung weiter. Interessiert sich jemand ernsthaft, kann der Chatbot freie Termine aus einem Kalender vorschlagen, etwa in Outlook oder Google Kalender, und den Termin eintragen.

Ein Beispiel: Eine Schülerin fragt am Sonntagabend, ob sie in den Ferien in der Zerspanung schnuppern kann. Der Chatbot erklärt, wie Schnuppertage ablaufen, und bietet zwei freie Termine an. Am Montag liegt die Anfrage vollständig bei der Ausbildungsleitung.

Warum soll er keine Bewerber auswählen?

Aus zwei Gründen. Erstens fachlich: Ob jemand ins Team passt, merkt man im Gespräch und beim Schnuppern, nicht an Antworten im Chat. Zweitens rechtlich: Die europäische KI-Verordnung (AI Act) ordnet KI-Systeme, die zur Auswahl von Bewerbern, zum Filtern von Bewerbungen oder zur Bewertung von Kandidaten eingesetzt werden, als Hochrisiko-Systeme ein (Anhang III, Nummer 4). Dafür gelten deutlich strengere Anforderungen. Ein Chatbot, der nur informiert und Termine vorschlägt, ist davon zu unterscheiden.

Zusätzlich gilt seit 2. August 2026 Art. 50 Abs. 1: Der Chatbot muss als KI erkennbar sein. Dieser Überblick ist allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung. Gerade bei Personalthemen sollten Sie den Einsatz mit Ihrer Rechtsberatung und, falls vorhanden, mit dem Betriebsrat abstimmen.

Was ist mit Datenschutz?

Bewerber geben im Chat manchmal mehr preis als nötig, etwa Gesundheitsangaben oder ihren Lebenslauf. Der Chatbot sollte deshalb zu Beginn darauf hinweisen, dass er nur allgemeine Fragen beantwortet und Bewerbungen über den regulären Weg kommen. Welche Dienste die Eingaben verarbeiten, legt Goma-IT vor dem Start schriftlich offen. Je nach Einrichtung können auch Anbieter außerhalb der EU beteiligt sein. Das gehört in Ihre Datenschutzinformation für Bewerber.

Wie klingt ein guter Chatbot für Bewerber?

So wie Ihr Betrieb, nicht wie eine Werbeagentur. Wer sich für eine Stelle an der Linie interessiert, will eine klare Antwort auf die Frage nach der Nachtschicht und keine Floskeln über Teamgeist. Legen Sie fest, wie der Chatbot anredet, ob er duzt oder siezt und wie ausführlich er antwortet. Gerade bei Lehrstellen hilft ein einfacher Ton ohne Fachbegriffe. Testen Sie ihn vor dem Start mit Fragen, die Ihre Lehrlinge selbst einmal gestellt haben.

Wann lohnt sich das?

Wenn Sie laufend für Fertigung, Logistik oder Lehre suchen und dieselben Fragen immer wieder beantworten. Bei zwei offenen Stellen im Jahr reichen eine gute Karriereseite und eine Telefonnummer. Wie der Chatbot grundsätzlich arbeitet, beschreibt die Seite Website-Chatbot.

Häufige Fragen

Kann der Chatbot Lebensläufe entgegennehmen?

Er kann auf das Bewerbungsformular oder die Bewerbungsadresse verweisen. Lebensläufe sollten über den Weg kommen, den Ihre Personalabteilung dafür vorsieht, und nicht im Chat ausgewertet werden.

Darf er Fragen zum Gehalt beantworten?

Wenn Sie die Angaben freigeben, etwa das kollektivvertragliche Mindestgehalt aus einer Stellenanzeige, kann er sie nennen. Was darüber hinaus verhandelt wird, bleibt beim persönlichen Gespräch.

Funktioniert das auch in anderen Sprachen?

Sprachmodelle können Fragen in vielen Sprachen verstehen und beantworten. Ob Antworten in anderen Sprachen erwünscht sind und wie sie geprüft werden, legen Sie vor dem Start fest.

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